Ausstellung

Luisa Kasalicky - Arnold Reinthaler



3. Dezember 2010 bis 15. Jänner 2011
Eröffnung am Donnerstag, 2. Dez. ab 21:30


".... In dieser Ausstellung sind schweigende und gleichzeitig beredte Dinge von Luisa Kasalicky und Arnold Reinthaler zu sehen, deren Qualität darin liegt, wie sie über „das, was zu sehen ist“ hinaus, Bilder in den RezpientInnen entstehen lassen. Ein gewisser Reichtum an visuellen und taktilen Reizen bei Luisa trifft auf eine Strategie der Verweigerung bei Arnold. Aber in beiden Fällen geht es gerade um das Gegenteil dessen, was der Titel „Text without Subtext“ erwarten lässt. Doch nur dann, wenn Sie sich auf vielschichtige Wahrnehmungserfahrungen und auf das Spiel mit Mehrdeutigkeiten einlassen. Ich kann versprechen, es lohnt sich." (aus Gudrun Ratzingers Vernissagerede)

 

 

Bilder auf der Flucht

 

Wie schon im Sommer 2008 kooperiert das Kunstforum Montafon im Rahmen seiner nächsten Ausstellung „Text without Subtext“ (3.12. bis 15.1.) mit der Galerie Allerart in der Bludenzer Remise. Anders als bei der seinerzeitigen Schau „Unsere Natur liegt in der Bewegung“ gibt es diesmal aber keine gemeinsame Ausstellung, sondern im weitesten Sinne ein gemeinsames Thema, nämlich die Malerei im Raum. Während die Galerie Allerart anhand der Positionen von Cornelia Kaufmann, Heike Gallmeyer und Stefan Safer untersucht, wie sich die Gattungen der Kunst zusehends auflösen und die Grenzen zwischen Zeichnung, Malerei, Bildhauerei, Installation und Medienkunst verschwinden, fokussiert sich das Kunstforum Montafon auf die künstlerischen Haltungen von Luisa Maria Kasalicky und Arnold Reintaler. Die 1974 in Prag geborene Kasalicky hat bei Gunter Damisch an der „Akademie der Bildenden Künste“ in Wien studiert. Sie bezeichnet sich selbst zwar als Malerin, arbeitet aber neben Acryl auch viel mit Platten aus Relief­Styropor, meliertem Linoleum und Fliesenkleber. Von der Malerei ausgehend geht sie sozusagen in den dreidimensionalen Raum hinein. Im Unterschied etwa zu dem 1971 geborenen Reinthaler, der die Bildhauerei sozusagen in die Fläche herunterbricht.

 

Kasalicky und Reintaler waren bereits bei der Eröffnung der letztjährigen Winterausstellung im Kunstforum Montafon (KFM) zugegen, um sich ein eigenes Bild von den Räumlichkeiten zu machen. Von diesen Eindrücken ausgehend, haben sie eine genau auf diesen Kunstraum abgestimmte Werkschau „komponiert“.

Die Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher künstlerischer Positionen im Rahmen der Winterausstellungen ist beim KFM mittlerweile Programm. Vergangenes Jahr etwa wurden Fabian Seiz und Andrea Witzmann zum Thema „Die Bedeutung der Farbe Blau in der Kunst“ gezeigt. Laut Kurator und KFM-Chef Roland Haas bieten diese Gegenüberstellungen den Kunstschaffenden „eine ausgezeichnete Möglichkeit sich neu zu definieren und zu positionieren. Es ist für mich als Kurator jedes Mal sehr spannend mitzuerleben, wie die beiden Personen aufeinander künstlerisch und dann gemeinsam auf den Ausstellungsraum reagieren. So erzeugen sie ein gewaltiges Spannungsfeld, in dem sich die Qualität ihrer Kunst überproportional entfalten kann.“

 

In den Raum hinein

Die „Malerin“ Luisa Kasalicky arbeitet im und mit dem Raum. Klassische materielle Bedingungen der Malerei, wie etwa Bildträger, Pinsel und Farbe, Tafelbild oder Malverfahren werden bei ihr durch den Einsatz von Industriematerialien obsolet. Das Material übernimmt die Funktion von Form und Farbe. Die Kunsthistorikerin Ursula Maria Probst schreibt über die Künstlerin mit tschechischen Wurzeln: „Als eine Methode ihrer Malerei entwickelt Luisa Kasalicky das Prinzip modularer Strukturen in Verwendung von Polystyropor, Bitumenplatten oder PVC-Fliesen, um aus dem Prozess des direkten Farbauftrages herauszutreten. In ihren spezifischen Anordnungen und farblichen Relationen changieren die Formationen zwischen kontrollierter Gestaltung und einer Kontingenz von Materialien, die gewöhnlich nicht als integraler Bestandteil eines malerischen Prozesses gelten.“ Trotz dieser konstruktiven Prozesse bergen die Arbeiten Kasalickys narrative Begleittöne. Ihre funktional nicht benutzbaren Werke, die Assoziationen zu Figuren, Möbeln und Gebrauchsgegenständen wecken, basieren inhaltlich vielfach auf Alltagsbeobachtungen und Erinnerungen. Für ihre Wandarbeiten, Objekte und Installationen greift sie auf Auslaufposten von Baumärkten aus den 1970er und 1980er Jahren zurück. In einer offenen Struktur werden die Materialien, die sie nach Farbe und Textur ausgesucht hat, in immer wieder neuen Konstellationen zu modularen Raumskizzen zusammengesetzt. Vorgefertigte Farboberflächen werden durch das Lackieren einzelner Bereiche ergänzt. In einem Ausstellungstext heisst es: „Luisa Kasalicky behauptet Gegenwelten zum Alltag. Sie fängt Menschliches ein, schält Wesentliches heraus und überträgt es in komplexe Raum- und Materialsysteme. In diesen werden neben autonomen Objekten gleichzeitig narrative Inszenierungen erzeugt, deren Geschichten über die Materialität transportiert werden.“

 

Die Zeit in Stein gemeisselt

Im Werk des 1971 in Wels geborenen und heute in Wien lebenden und arbeitenden Arnold Reinthaler trifft unter anderem das archaische Material Marmor auf die Flüchtigkeit der Zeit. Was eigentlich ein Paradoxon ist, löst der Künstler, der dereinst in Bruno Gironcolis Bildhauerklasse an der Wiener Akademie gelernt hat, auf ironisch-logische Art. So graviert er beispielsweise digitale Uhrendisplays in Marmor und hält damit die Zeit an, oder er graviert in Marmorplatten Botschaften, die „normale“ Leute en passant auf Post-It-Zettelchen kritzeln. Sätze wie etwa „ich komme gleich“ oder „morgen ist alles gut“ wandern üblicherweise nach kurzer Laufzeit in den Mistkübel, bei Reinthaler hingegen „versteinern“ sie sprichwörtlich. 

 

Der Theoretiker und Leiter der Galerie Stadtpark Krems schreibt über diesen Künstler der Zeit, der auch mit elektronischen Medien arbeitet: „Reinthaler untersucht ...Interferenzen zwischen Zeitmessung, Zeitvorstellung und Zeitwahrnehmung. Der Künstler bedient sich in seinen zeichen- und medienreflexiven Untersuchungen explizit analoger, mechanischer, geradezu anachronistischer Medien wie Papier, Stein oder einer mechanischen Uhr, die er filmt. Gemeinsam ist all diesen chronometrischen Arbeiten das Interesse am Intervall, am Vexieren von Nicht-Zeit in Zeit, sowie der Dialektik von normierter, symbolisierter Zeit und Eigenwahrnehmung von Zeit. Die Arbeiten bilden Differenziale und Umschlagphänomene zwischen mechanisch-metrischer Zeitlichkeit und individueller Zeitwahrnehmung und Zeiterfahrung.“

 

Auf die Arbeit von Luisa Kasalicky im KFM reagiert Reinthaler unter anderem mit fünf grossformatigen Bildern aus tiefschwarzem Granit oder Marmor aus Zimbabwe, in deren Mitte jeweils ein Dateiname eingeschrieben ist. Es handelt sich dabei um sogenannte „troubling files“, also Dateien, die sich im Netz quasi auf der Flucht befunden, da sie illegal sind. Es sind File-Namen von Websites mit Kinderpornografie oder rechtsradikalen Inhalten. Aber natürlich manipuliert Reinthaler die Dateinamen, er will ja einem weiteren Missbrauch nicht Vorschub leisten. Weiters plant er, mit „Moments“ eine stetig anwachsende Installation zu präsentieren, die sich  aus schwarzen Karteikästen und einem „Video in Progress“ besteht. (Karlheinz Pichler)

 

 

 

Factbox:

Eröffnung (gemeinsam mit der Galerie allerArt, Bludenz): Donnerstag, 2. 12. 2010, 21:30 Uhr (um 19 Uhr in Bludenz – Anmeldung erforderlich!)

zur Ausstellung spricht: Gudrun Ratzinger, Kunsthistorikerin

Music Performance: Smegmagnom (elektrische Orgel / Schlagwerk: Siegfried Zaworka)

Freitag, 7. Jänner 2011, 18 Uhr: Ausstellungsgespräch mit Kurator Roland Haas 

Mittwoch, 12. 1. 2011, 14 - 16:30 Uhr: kunstKinderkunst workshop für Kinder mit Helene & Franz Rüdisser

 

Ausstellungsdauer: 3. Dezember 2010 bis 15. Jänner 2011

Öffnungszeiten Di – Sa 16 – 18 Uhr, Do 16 – 20 Uhr

(geschlossen am 24., 25. und 31. 12  2010, sowie am 1. 1. 2011)

Abbildung: Christopher Steinweber